
Bruce Willis in einem Action-Film? Mal was ganz was Neues. Roboter, die zu mächtig werden? Hui, wer ist hier so visionär? – Aber doch. Surrogates – Mein zweites Ich gibt eine erschreckend andere Vision der Zukunft ab.
Man stelle sich nur mal vor: eine amerikanische Firma schafft es, dem Menschen ebengleiche Wesen zu erschaffen, natürlich nur reinster Elektronikschrott auf den ersten Blick. Aber die Menschen leben nicht mithilfe dieser Roboter besser, sondern sie werden diese Roboter. Sie geben große Teile ihrer Lebenszeit auf, um ihren Job, ihrer Freizeitaktivitäten als Roboter zu verbringen. Menschen können das Aussehen haben, was sie wünschen. Menschen können alles, nur solange sie es als Surrogate (die deutsche Übersetzung ist passend: Ersatzmittel) tun.
Die Welt sieht super aus. Da die meisten Menschen gänzlich auf ihr reales Erscheinungsbild verzichten und den Großteil ihres Lebens als Roboter verbringen, lebt man nun ohne Angst. Denn Surrogates können sterben, ohne dem Menschen dahinter Schmerzen zuzufügen. Auch die Kriminalitätsrate sinkt um sagenhafte 99%, denn ohne dem Wissen der Bewohner überwacht das FBI insgeheim jeden einzelnen Surrogate und stellt den möglicherweise kriminellen Roboter einfach still. Ist doch alles großartig, oder?
Bis eben zwei dieser Surrogates auf offener Straße getötet werden. Und darüber hinaus diesmal auch ihre Menschen sterben. Ihre Augen verbrannt, ihr Gehirn geschmolzen. Ein bisher noch nie dagewesenes Mysterium. Was ist das für eine Waffe? Wer sieht einen Sinn dahinter, Surrogates und Menschen zu töten? Und wie um alles in der Welt ist das möglich?
Genau das möchte Tom Greer (Bruce Willis), FBI-Surrogate, auflösen. Und stößt dabei auf die Gruppe jener Menschen, die keinen Kontakt mehr zu den Surrogates haben wollen. Jene, die von ihrem Propheten die Wahrheit des Menschseins gepriesen bekommen. Immer mehr Leute sterben, immer verworrener wird die Geschichte.
Surrogates – Mein zweites Ich hat wohl nicht nur mich etwas an Avatar – Reise nach Pandora erinnert. Nur, dass wir uns hier eben nicht in der fernen Zukunft befinden, nicht auf anderen Planeten. Und während die Na’vis in Avatar mit der Natur verbundene, blaue Wesen sind, haben wir es hier ganz einfach mit menschengleichen Robotern zu tun. Vom Menschen geschaffen, um den Menschen zu ersetzen.
Jonathan Mostow, möglicherweise bekannt als Regisseur von U-571 und vor allem Terminator 3 – Rebellion der Maschinen, hat aber im Gegensatz zu Avatar nicht versucht, einen Film mit Überlänge zu drehen. Der Film dauert rund 90 Minuten, und so schafft es Surrogates – Mein zweites Ich auch, die Spannung die ganze Zeit aufrechtzuerhalten. Und im Gegensatz zu so vielen Hollywood-Filmen verzichtet auch dieser Film nicht auf eine Liebesgeschichte. Welche aber diesmal nur am Rande (sehr gut!) erzählt wird, wenn Tom sich die Liebe seiner “echten” Frau zurückwünscht.
Bruce Willis, der alte Herr, spielte auch diesmal wieder gut. Auch wenn ihm die Rolle des starken Cops mit große Seele irgendwann auch mal genug sein müsste. Wobei er vielleicht aber vor allem diese Rolle besonders gut kann. Man weiß es nicht.
Anbei sollte man vielleicht noch erwähnen, dass es sich bei Surrogates um eine Comic-Verfilmung: das mir bisher vollkommen unbekannte Graphic Novel aus den Jahren 2005 und 2006 von Robert Venditti und Brett Wedele.
Ich muss zumindest zugeben, dass mich der Film so spät nachts wirklich sehr gefesselt hat. Er war aufregend, mitreißend, regte zum Nachdenken an, war actionreich (aber keine Technikfreakshow wie 2012 zum Beispiel). Und an manchen Stellen sogar tiefsinnig.
29. Januar 2010 um 16:48
Yep, ich fand den auch ziemlich cool, auch wenn ich mir insgeheim etwas mehr von versprochen habe